Biblische Lernwoche 18.-21. Juli 2016

Rabbiner Yechiel Brukner und Pfr. i. R. Fleischmann im Gespräch mit U. Bischoff

Als Yechiel Brukner auf dem Hauptbahnhof in München 2008 erstmals deutschen Boden betrat, befiel ihn Angst. Angst vor den Pfiffen der Schaffner, Angst vor Verladerampen, langsam anfahrenden Zügen und Angst auch vor bellenden Hunden. Yechiel Brukner ist Jude, die ganze Familie seines Vaters ist während der Nazi-Herrschaft ausgelöscht worden. Nur Yechiels Vater hat Auschwitz und andere Konzentrationslager wie durch ein Wunder überlebt. Aus seinen Erzählungen lernte der junge Yechiel die Greuel der Naziherrschaft kennen. Inzwischen aber hat er Deutschland als ein Land „mit einer großartigen, positiven Entwicklung schätzen gelernt“. Er fühle sich wohl, wenngleich in ihm Antisemitismus in jeder Form großes Missbehagen hervorrufe. 1986 siedelte der in Zürich geborene Rabbiner von der Schweiz nach Israel um und fühlt sich im Land seiner Väter und seiner Religion „wohl, wie ein Fisch im Wasser“. 

Yechiel Brukner ist auf Einladung der Gerstetter Kirchengemeinde sowie des „Arbeitskreises für christlich-jüdische Verständigung" nach Gerstetten gekommen. Pfarrer i. R. Hartmut Fleischmann, der Sprecher der Initiative im Kirchenbezirk Heidenheim,  hat ihn dazu ermuntert. Brukner sprach im Rahmen einer viertägigen ökumenischen Lernwoche über Mose, den Befreier, Gesetzgeber und Menschen. 

An den vier Abenden tauschten sich zahlreiche Gemeindeglieder sowie Christinnen und Christen aus der Region in anregenden Diskussionen über unterschiedliche Texte aus dem Pentateuch aus, lernten eine sehr intensive Form der Auseinandersetzung mit der Heiligen Schrift von Christen und Juden kennen und entwickelten ganz nebenbei ein ausgeprägtes Gespür für die christlich-jüdische Verständigung. 

In dem Kreis, der sich im Gemeindehaus zu den Vorträgen versammelt hatte, sah Brukner „eine bahnbrechende Gruppe“. Sein theologisches Anliegen sei es, das Verhältnis zwischen dem jüdischen und dem christlichen Glauben auf eine neue Grundlage zu stellen, was ihm - so die Meinung vieler Teilnehmenden - in kurzweiliger Weise auch sehr gut gelang. Am Ende der vier Abende dankte ein sichtlich bewegter Referent den begeisterten Teilnehmern für ihre Mitarbeit sowie die angeregten Gespräche und forderte sie auf - nun um diese Erfahrung reicher - zukünftig als Multiplikatoren in der christlich-jüdischen Verständigung zu agieren sowie das jüdische Volk im fürbittenden Gebet zu begleiten. Als kleines Dankeschön überreichten der Gerstetter Pfarrer Maisenbacher sowie der Initiator der Veranstaltung, Pfr. i. R. Fleischmann, dem Referenten noch ein kleines Büchlein über die Raue Alb sowie Gerstetter Alb-Linsen.

Bericht: U. Bischoff mit Ergänzungen des Pfarramts Gerstetten

Foto: M. Maisenbacher

Foto: M. Maisenbacher