Reise ins Heilige Land 2019

Blick von der Kirche "Dominus flevit" (Der Herr weint) auf den Tempelberg Foto: U. Kiener

Die Reisegruppen "Frankfurt" und "Wien" nach ihrer Ankunft um 1.38 Uhr in Tel Aviv. Foto: M. Maisenbacher

Das aus dem Lande der Knechtschaft befreite Volk der Hebräer benötigte ganze 40 Jahre, um ins Gelobte Land zu kommen. Eine 36-köpfige Gruppe unserer Kirchengemeinde machte sich am 28. März noch zu nachtschlafender Zeit ebenfalls auf den Weg dorthin auf. Und auch wenn es keine 40 Jahre dauern sollte, so erwartete uns dennoch ein recht turbulente Anreise, während derer sich unsere Wege am Züricher Flughafen aufgrund eines technischen Defekts der schon vollbesetzten Boing 777-300 zunächst einmal trennen sollten. 

Caeserea Maritimae Foto: M. Maisenbacher

Über weitere Stationen in Frankfurt bzw. Wien sowie „Brüssel“ erreichten wir nach 22- bzw.  knapp 38-stündiger Reisezeit schließlich doch alle wohlbehalten das heiß ersehnte Ziel und genossen bei dem Wetter auf der Ostalb durchaus vergleichbar frühlingshaften Temperaturen die Stadtansichten von Jaffa und Tel Aviv und besichtigten die historische Ausgrabungsstätte der epochalen Herodesstadt „Caeserea Maritimae“, ehe wir abends dann die am See Genezareth gelegene Stadt Tiberias erreichten, wo dann beim Abendessen die Nachzügler aus Brüssel bzw. Wien zur Reisegruppe hinzustießen. 

Foto: M. Maisenbacher

In den folgenden Tagen sollte die durch die überlange Anreise verlorene Zeit wieder aufgeholt werden, was mit Hilfe unseres souveränen und überaus landeskundigen Reiseleiters Radu Mendrea sowie unserem zielsicheren Bus-Chauffer Nael auch vorzüglich gelang. 

Festung Dan - Foto: M. Maisenbacher

Der Besichtigung von Nazareth-Village folgten dann am See Genezareth weitere Stationen aus dem Leben Jesu, so u.a. die Brotvermehrungskirche, Kapernaum, die Stadt, in der Jesus seine ersten Jünger berief, in deren Synagoge Jesus lehrte und in der Simon Petrus zu Hause war, sowie die Jordanquelle bei Dan an den Füßen des Golangebirges in unmittelbarer Nachbarschaft zur libanesischen und syrischen Grenze. 

Foto: M. Maisenbacher

Am darauffolgenden Morgen erwartete uns bei recht regnerischem und windigem Wetter eine Bootsfahrt auf dem See Genezareth, die wir uns mit Blick auf die in Markus 4 überlieferte Geschichte von der Sturmstillung kaum authentischer hätten wünschen können. Weiter ging’s vorbei an den Hörnern bei Hattin, dem Ort, an dem sich am 4. Juli 1187 die weitere Geschichte des Landes Palästinas bis in die Neuzeit 

Bahai-Gärten Haifa - Foto: M. Maisenbacher

entscheiden sollte, sowie dem Ort Magdala, aus dem Jesu Jüngerin Maria stammte, zum Berg der Seligpreisungen, in dessen Wallfahrtskirche unsere Gruppe – inspiriert von den Worten aus er Bergpredigt Jesu (Matthäus 6,5-13) – gemeinsam das Vaterunser betete. Über Stationen in der Kreuzfahrerstadt Akkon sowie den beeindruckenden Gärten des Bahai-Tempels in der Hafenstadt Haifa führte uns unser Weg dann in die Heilige Stadt Jerusalem, die wir am Abend des vierten Tages erreichten.

Grabeskirche Jerusalem um 6 Uhr - Foto: M. Maisenbacher

Noch beim Abendessen verabredete sich eine Gruppe besonders bewegungsfreudiger Reiseteilnehmer zu einer Wanderung in aller Frühe des darauffolgenden Morgens. Man wollte bereits vor 6 Uhr an der 1,8 km entfernten Grabeskirche sein und diese ungestört von den Pilgermassen, die sich bereits drei Wochen vor Ostern in Jerusalem tummelten, besichtigen. Ein unvergesslicher Eindruck war es dann, sich bei Anbrechen des Tages den beiden Frauen am allerersten Ostermorgen gleich auf den Weg zum Grab Jesu zu machen und dann schließlich auch vor diesem Grab zu stehen.

Im Laufe des Tages wurden dann weite Teile Jerusalems fußläufig erkundet. Angefangen beim Ölberg, von dem aus man einen herrlichen Blick auf den Tempelberg und die Davidstadt hatte, hinunter zur Kirche „Dominus flevit“ (Lukas 19) und zum Garten Gethsemane sowie der angrenzenden „Kirche aller Nationen“. 

Foto: M. Maisenbacher

Über das Löwentor erreichten wir schließlich die Stadtmauer Jerusalems und betraten das muslimische Viertel, in welchem die Via Dolorosa begann, die wir stationsweise abschritten, ehe wir schließlich an der Grabeskirche eintrafen. Nach einem Mittag-essen mit herrlicher Aussicht über die Altstadt ging es vom christlichen Viertel aus weiter in das jüdische Viertel, wo man scheinbar in eine andere Welt eintrat. Das Erreichen unseres ursprünglichen Ziels, die historische Westmauer des 

Blick vom Berg Zion auf den Ölberg - Foto: M. Maisenbacher

Tempelzugangs, auch Klagemauer genannt, wurde uns an diesem Nachmittag allerdings verwehrt, da sich zeitgleich mit der Reisegruppe aus Gerstetten ein Staatsgast angekündigt hatte: Der brasilianische Staatspräsident Bolsonaro. So ließen wir die Klagemauer links liegen und machten uns ebenfalls fußläufig auf den Weg hoch zum Berg Zion, auf dem die vom deutschen Kaiser Wilhelm II erworbene und im Laufe der Zeit zu einer interkonfessionellen und -religiösen Begegnungsstätte ausgebaute Dormitio-Abtei lag. Auf dem Weg dorthin 

Westmauer des Tempelzugangs - Foto: M. Maisenbacher

begegneten wir nicht nur  unzähligen orthodoxen Juden, die sich auf dem Weg zur ebenfalls auf dem Berg gelegenen Synagoge befanden sondern auch einer jüdischen Familie, die mit viel Musik die Bar Mitzwa, das religiöse Erwachsen-Werden ihres Sohnes auf den Straßen feierte. Nachdem wir in Akkon bereits die dortige Moschee besichtigt hatten, stand an diesem Tag der Besuch der orthodoxen Synagoge an, ehe wir dann am Abend dieses recht anstrengenden Tages noch eine Nachtrundfahrt durch Jerusalem unternahmen, am Ende derer wir dann doch noch bis zur Klagemauer vordringen durften.

Am sechsten Tag unserer Israel-Rundreise stand ein Ausflug ins jüdische Nationalmuseum mit Besichtigung des eindrucksvollen maßstabsgetreuen Models der Stadt, dem "Schrein des Buches" sowie der Knesset, des israelischen Parlaments und dessen siebenarmigen Leuchters auf dem Programm, ehe uns unser Weg zur Holocaustgedenkstätte Jad Vashem führte. Sich die Schrecken des Krieges sowie die systematische Entwicklung hin 

Denkmal zur Erinnerung an die Deportierten Foto: M. Maisenbacher

zu diesem schlimmsten Verbrechen der Menschheitsgeschichte nochmals vor Augen zu führen hinterließen ebenso wie der Besuch des „Gartens der Gerechten unter den Völkern“, dem „Denkmal zur Erinnerung an die Deportierten“, der „Halle der Erinnerung“ und dem „Denkmal für die Kinder“ einen bleibenden Eindruck bei allen Teilnehmenden. Das babylonische Stimmengewirr und die vielen jungen Menschen, die sich zeitgleich mit unserer Reisegruppe in diesem eindrucksvollen 

Eingangsportal der Geburtskirche Foto: M. Maisenbacher

Dokumentations- und Gedenkzentrum drängten, lassen hoffen, dass sich eine solche Geschichte niemals wiederholen wird. 

Noch am selben Tag fuhren wir in die palästinensischen Autonomiegebiete und besuchten deren enge Pforte passierend die Geburtskirche in Bethlehem. Das in der Geburtsgrotte in vielstimmigem Chor gesungene „O du fröhliche“ war sicher für die meisten Teilnehmer eines der Reise-Highlights. 

Auch der siebte Tag der Reisewoche sollte zu keinem Ruhetag werden. So machten wir uns in aller Frühe mit dem Bus vorbei an der Herberge des barmherzigen Samariters und der ältesten Stadt der Welt, Jericho, auf den Weg an das Tote Meer, wo wir uns zunächst mit den vielgerühmten Kosmetikprodukten des Toten Meeres vertraut machten, ehe wir mit Hilfe der Masadabahn in weniger als drei Minuten die 290 Höhenmeter hoch zur Herodesfestung auf dem am Toten Meer gelegenen und überaus eindrucksvollen Felsmassiv bewältigten.

Blick von Masada auf das Tote Meer - Foto: M. Maisenbacher

Abgeschlossen wurde der beeindruckende Reisetag mit einer Wanderung zu den Davidwasserfällen im am Toten Meer gelegenen Naturreservat En Gedi sowie einem Bad im Toten Meer. Am letzten Reisetag ging es dann über Jaffa zurück nach Tel Aviv, von wo aus die erschöpfte und doch um unzählige Erfahrungen und Eindrücke reichere Reisegruppe sich wieder auf den Weg gen Heimat machte, die wir in der Nacht von Donnerstag auf Freitag dann auch wohlbehalten erreichen sollten. (Bericht: M. Maisenbacher)

Blick vom Ölberg (Dominus Flevit) auf den Tempelberg

Im jüdischen Viertel Jerusalems