Michaelskirche

Pfarrhaus und Michaelskirche

Die Michaelskirche wird in Gerstetten auch die "Obere Kirche" genannt. 

Auf der "Halde" gelegen ist sie ein beliebtes Motiv für Fotografen und Künstler. 

Die wechselhafte Geschichte des Gotteshauses neben dem Pfarrhaus wurde von Ernst Guther beschrieben.

Hier kurze Auszüge:

Der spätmittelalterliche Steinbau

Mittelalterliche Michaelskirche

Wie mag wohl die erste, aus der Zeit der Christianisierung stammende Pfarr­kirche auf der Halde ausgesehen haben? Wir wissen es nicht. Vermutlich ist sie ein einfacher Holzbau gewesen.

Die heute noch stehende Mauer umschloss den Friedhof samt Kirche mit Sakristei und Pfarrhaus.

Im Jahre 1496 wurden die beiden im Turm hängenden Glocken durch eine dritte, größere ergänzt.

 

 

Nach dem 30-jährigen Krieg

Michaelskirche im April 2015

Über die aus dem Spätmittelalter überkommene Kirchenanlage war der 30-jährige Krieg hereingebrochen. Der Dachstuhl der Kirche hatte erneuert werden müssen. Das Pfarrhaus wird bereits 1652 als baufällig. Kaum war das Pfarrhaus 1656 notdürftig in Stand, klagte man 1660 schon wieder über die Kirche, der Oberstock und das Glockenhaus seien baufällig, weil das Holz faule.

1702 und 1703 finden sich viele Klagen über das Pfarrhaus, das täglich mehr in Abgang komme und nach Aussage des fürstlichen Werkmeisters nicht mehr zu reparieren sei. 1711 konnte das neue Pfarrhaus vollends errichtet werden.

Ab September 1719 sollten die Reparaturen an der Kirche weitergehen. Als man begann, zeigten sich immer größere Schäden

1773 sollte mit der Renovatierung der oberen Kirche begonnen werden.

Das Alte weicht dem Neuen

Michaelskirche als ortsbildsprägendes Gebäude

Als man im Sommer 1773 mit der Hauptreparatur beginnen wollte, musste man gleich zu Anfang wahrnehmen, dass nicht nur die Fundamente und das untere Hauptgebälk größtenteils verfault waren, sondern auch die Mauer einen solchen großen Riss hatte, dass diese durch ein nötiges doppeltes Plattendach zum Einsturz gekommen wäre. Daher blieb nichts anderes übrig, als Pläne für eine völlig neue Kirche zu fertigen. Sie sollte 21,5 m lang, 12,9 m breit und 7,1 m hoch sein, rund 4000 fl. kosten und 548 Sitzplätze bieten.

Die alte, spätmittelalterliche Kirche wurde bis auf die östliche und südliche Umfassungsmauer abgebrochen. Diese beiden wurden verstärkt und in den Neubau einbezogen. Die schöne Rokokokirche wurde tatsächlich im Spätherbst 1774 übergeben, eine gewaltige Leistung! 

Turm der Michaelskirche von der Oberen Kirchstraße aus gesehen

Der Baumeister Kopp erstellte im Sommer 1783 Plan und Überschlag für einen neuen Turm am alten Platz.

1785 beschloss man, den Turm an den ostwärtigen Kirchengiebel zu stellen. Außerdem sollte der Turmfuß von 18 auf 20 Fuß erweitert werden. Die Sakristei, die ja dem Turm weichen musste, sollte ihm an seiner Südflanke angebaut werden. Im Frühjahr und Sommer 1786 wurde der neue, 34,3 m hohe Turm aufge­mauert.  

Die Innenausstattung des 19. Jahrhunderts

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts blieb das Innere der Kirche ziemlich nüchtern. Außer der überkommenen Kanzel mit dem zugefügten rohen Schnitzwerk, gekrönt vom guten Hirten, einem Jehovabild an der Deckenmitte, dem großen, vermutlich von David Späth geschaffenen Kruzifix gab es keinen Schmuck.

1853 gab es eine neue Orgel.

1857 wurden 12 Apostelbilder aus dem Ulmer Münster gekauft.

Der Maler Arbeit Röhrle schnitzte, malte und vergoldete 1861 die Seitenfiguren des Altars, Christus und Moses. Im Februar 1865 fertigte er noch einen geschnitzten Opferstock.