Foto: M. Maisenbacher

Baustart an der Michaelskirche

Mit einem Kapitaleinsatz von 692.000 Euro saniert die Evang. Kirchengemeinde derzeit die heuer 234 Jahre alt gewordene Michaelskirche. Sie thront mit ihrem 34,3 Meter hohen Turm auf der „Halde“ und ist zusammen mit der Nikolauskirche und der Sontberger Jakobuskirche eines von drei Gotteshäusern, das in der Unterhaltslast der Gemeinde steht. Ihr Dach ist in die Jahre gekommen, der Schwamm bedroht das Dachgebälk, die Fassade des Kirchenschiffes verlangt nach frischer Tünche und auch die Mauer, die den Kirchhof umfasst, müsse ausgebessert werden, stellt Pfarrer Michael Maisenbacher mit Blick auf den im Pfarrgarten bereits installierten Baukran fest. Auch für das Innere der dominanten Rokoko-Schönheit stehe eine Sanierung an, meint der Geistliche und denkt als diplomierter Kirchenmusiker vor allem an die historische Link-Orgel, die nachintoniert werden müsse und die außerdem vom Schimmel bedroht sei. Um ihre Klangqualität zu erhalten, täte ihr nach einer erfolgten Grundreinigung eine automatisch einsetzende Lüftungsanlage gut, meint Maisenbacher. Ein Übriges werde auch die neue Heizungsanlage beitragen, die derzeit montiert und die alten, unter den Kirchenbänken verlegte Heizspiralen ersetzen wird. In diesem Zuge wird auf Drängen des Kirchengemeinderats im rückwärtigen Teil des Gestühls künftig jeweils eine Bankreihe wegfallen und hierdurch für Kinderwagen, Rollatoren und Rollstühle Platz geschaffen. Noch drängender aber ist für die Räte die Behebung der akustischen Qualität in dem hohen Kirchenraum. Die Stimmwiedergabe über die Sprechanlage klinge „hallig“ und sei vor allem für ältere Kirchenbesucher schwer verständlich.
Eine Investitionssumme von fast 700.000 Euro ist auch für eine 3.300 Seelen zählende Gemeinde kein Pappenstiel. Pfarrer Michael Maisenbacher aber sieht das Thema Finanzen mit Zuversicht. Nachdem man im Kirchengemeinderat die anstehende Sanierung schon seit Jahren im Visier habe und wisse, dass die Gemeinde 400.600 Euro aus eigenen Mitteln aufbringen müsse, habe man gespart. Dank einer großzügigen Opfer-und Spendenbereitschaft und dank auch mancher anderer gewinnbringender Aktionen liege ein Großteil der aufzubringenden Mittel auf der hohen Kante. Bis zur Bauabnahme, so hofft Pfarrer Michael Maisenbacher, fehlen noch rund 27.000 Euro und die Gemeinde wäre, was die Sanierung der Michaelskirche anbetrifft, aus dem Schneider.
Ganz so leicht tat es sich die Kirchengemeinde vor 230 Jahren nicht. Damals drängte der Herzog auf die Renovierung der Michaelskirche, des längt baufällig gewordenen Gotteshauses auf der Halde, und stieß auf den Widerwillen der Gläubigen. Die untere Kirche genüge den Ansprüchen, meinten die Untertanen und drückten sich, Fron und Opfer fürchtend, um den herzoglichen Befehl herum. Nach Jahren des Zuwartens aber wurde der Herzog böse. Im Sommer 1769 musste, allen Widerständen zum Trotz, mit der Sanierung begonnen werden. Am Geld fehlte es hinten und vorne. In 17 Ämtern und Städten wurde daher zum Opfer für das Gerstetter Bauvorhabens aufgerufen. Viel kam dabei nicht zusammen. Ein Teil der Geldstücke sei sogar wertlos gewesen. Als die Bauhandwerker schließlich Pickel und Schaufel ansetzten, mussten sie feststellen, dass die Mauersohle der alten Michaelskirche verfault und die Stockmauer einen so großen Riss aufwies, dass sie den neuen Dachstuhl nicht hätte tragen können. Pläne und Kostenvoranschläge wurden verworfen und Grundriss und Abmessungen für die heutige Michaelskirche festgelegt. 21.5 Meter lang, 12.9 Meter breit ,7.10 Meter hoch und 548 Sitzplätze musste sie nunmehr aufweisen. Der Herzog blieb unerbittlich. 1774 wurde die erste Predigt gehalten. Mit Turm und Orgel musste sich die Gemeinde noch gedulden. Gerstetten hatte damals knapp 1000 Einwohner, hungerte und wehrte sich tapfer gegen die Schulden. (Ulrich Bischoff)